Beim Anzug entscheidet die Passform: Ärmel- und Hosenlänge, Taillierung des Sakkos und der Sitz an der Schulter. Vieles davon kann eine Änderungsschneiderei anpassen - die Schulterpartie gilt dagegen als aufwendigste und teuerste Änderung.
Was einen gut sitzenden Anzug ausmacht
Ein Anzug von der Stange ist auf eine Standardfigur zugeschnitten - die wenigsten Körper entsprechen dieser exakt. Ärmellänge, Hosenlänge, die Taillierung des Sakkos und der Sitz an der Schulter entscheiden darüber, ob ein Anzug "gekauft" oder "passend" wirkt. Vieles davon lässt sich in der Änderungsschneiderei anpassen, manches nur mit Grenzen. Wer einen Anzug für einen bestimmten Anlass kauft, sollte deshalb genug Zeit zwischen Kauf und Termin einplanen - je nach Umfang der Änderungen kann das von wenigen Tagen bis zu ein bis zwei Wochen reichen.
Was sich anpassen lässt
Ärmellänge
Beim Sakko sollte am Ende ein bis zwei Zentimeter Hemdmanschette sichtbar bleiben. Ärmel kürzen ist eine der Standardänderungen - je nachdem, ob am Ärmel echte oder aufgesetzte Knopflöcher sitzen, ist der Aufwand unterschiedlich hoch.
Hosenlänge und Bundweite
Die Hose lässt sich wie jede andere Hose kürzen (siehe Hose kürzen lassen) und im Bund enger oder weiter machen - meist um wenige Zentimeter, begrenzt durch die vorhandene Nahtzugabe.
Taillierung des Sakkos
Ein zu weites Sakko lässt sich an den Seitennähten enger nehmen, wodurch die Silhouette am Körper enger anliegt. Das ist eine der häufigsten Anzug-Änderungen und in den meisten Fällen gut umsetzbar.
Weste und Zweitteile
Gehört zum Anzug eine Weste, lässt sich auch diese in der Regel anpassen - meist über einen verstellbaren Riemen am Rücken, der ohnehin für etwas Spielraum sorgt, oder über die Seitennähte, wenn mehr Weite gebraucht wird. Wichtig ist, Sakko, Hose und Weste bei der Anprobe gemeinsam zu tragen, weil sich alle drei Teile in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen - eine frisch taillierte Weste unter einem noch weiten Sakko wirkt in der Anprobe anders als im fertigen Ergebnis.
Die Schulterpartie: Grenzen der Änderung
Die Schulterpartie gilt unter Änderungsschneidereien als die aufwendigste und teuerste Anpassung an einem Sakko - teils, weil hier mehrere Stofflagen und die Armkugel neu eingesetzt werden müssen, teils, weil ein zu enger oder zu weiter Schulterschnitt sich nur begrenzt korrigieren lässt. Sitzt die Schulter spürbar falsch, lohnt oft eher der Blick auf eine andere Konfektionsgröße als eine aufwendige Änderung.
Materialien: Wolle, Mischgewebe, Leinen
Reine Schurwolle lässt sich gut verarbeiten und behält auch nach mehrfacher Änderung eine saubere Kante - ein Grund, warum klassische Anzugstoffe meist einen hohen Wollanteil haben. Mischgewebe mit Polyester-Anteil sind pflegeleichter, aber teils weniger formstabil beim Nähen neuer Nähte. Leinen und Leinenmischungen knittern leicht und zeigen Nähte deutlicher als glatte Wollstoffe - bei einem Leinenanzug lohnt es, gezielt nach Erfahrung mit diesem Material zu fragen, damit die neue Naht später nicht auffälliger wirkt als der Rest des Stoffs.
Pflege nach der Änderung
Anzüge werden in aller Regel chemisch gereinigt statt gewaschen - daran ändert eine Änderung nichts. Nach einer frischen Taillierung oder einer neu genähten Schulterpartie ist es sinnvoll, den Anzug vor der ersten Reinigung noch ein- bis zweimal zu tragen, damit sich der Stoff an die neue Form setzt, bevor er professionell gereinigt wird.
Leihanzug oder neuer Anzug: lohnt sich die Änderung?
Bei einem einmaligen Anlass wie einer Hochzeit als Gast reicht häufig eine kleine Anpassung von Ärmel- und Hosenlänge. Für einen Anzug, der regelmäßig getragen wird - etwa im Beruf - lohnt sich eine gründlichere Änderung inklusive Taillierung meist deutlich, weil sich der bessere Sitz über viele Trage-Tage bemerkbar macht.
Ablauf und Anprobe
Der Anzug wird in der Anprobe komplett angezogen, inklusive Hemd und den Schuhen, die später dazu getragen werden. Sakko und Hose sollten wenn möglich zusammen mitgebracht werden, auch wenn nur eines der beiden Teile geändert wird - so lässt sich die Gesamtwirkung besser einschätzen. Bei mehreren Änderungen gleichzeitig (etwa Ärmel und Taille) ist häufig eine zweite Anprobe üblich, bevor der Anzug endgültig fertiggestellt wird.
Anzug für einen bestimmten Anlass ändern lassen
Steht ein fester Termin wie eine Hochzeit oder ein Vorstellungsgespräch an, lohnt es sich, den Anzug frühzeitig zur Anprobe zu bringen - nicht erst wenige Tage vorher. So bleibt genug Zeit für eine zweite Anprobe, falls nach der ersten Änderung noch nachjustiert werden muss, ohne dass am Ende Zeitdruck entsteht.
Änderungsschneiderei für Anzüge finden
Betriebe mit Anzug-Änderungen im Angebot gibt es unter anderem in Änderungsschneiderei Frankfurt am Main, Änderungsschneiderei Stuttgart, Änderungsschneiderei Nürnberg und Änderungsschneiderei Essen. Einen Überblick zu möglichen Kosten gibt der Ratgeber Änderungsschneiderei Preise.